Qualitätsbereich 4: Verantwortung

Welche Ziele verfolgen wir? Wir fördern und fordern die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme in der Schule und ihrem Umfeld.

Welche Maßnahmen zur Erreichung der Ziele setzen wir um? Zwei große Partizipationsprojekte bilden den Rahmen für zahlreiche Einzelvorhaben, in denen die Schülerinnen und Schüler entsprechende Schlüsselqualifikationen erwerben. Mit dem Projekt „Selbstständige Schule“
haben wir seit 2002 neue Zielperspektiven hin zu größerer Eigenverantwortung definiert. Unter dem Leitziel der „Demokratisierung“ werden seitdem alle Mitglieder der Schulgemeinde aktiv und mit veränderten Mehrheiten in den Willensbildungsprozess zur Gestaltung des Schullebens einbezogen und übernehmen Verantwortung für den Entwicklungsprozess. Die Steuergruppe ist paritätisch besetzt (2 L, 2 E, 2 S). Anders als im NRW-Schulgesetz vorgesehen, besteht eine Drittelparität in der Schulkonferenz. Mit den offenen Teilkonferenzen gelingt es uns, in allen wesentlichen Entscheidungen einen breiten pädagogischen Konsens herzustellen. Hier bringen sich Lehrkräfte, Eltern und Schülerschaft projektbezogen ein und sorgen in intensiven Dialogen für Transparenz und Planungssicherheit bei relevanten Fragen der Schulentwicklung. Im Projekt „Schule ohne Rassismus“ zeigt die Schulgemeinde geschlossen ihre Bereitschaft, offensiv für die Einhaltung von Menschenrechten einzutreten. Unter Federführung der Schülervertretung erfolgte im Januar 2007 eine intensive Beteiligung an der Kampagne des Europarats „Alle anders - alle gleich“. Dazu wurden weitere persönliche Unterstützer gewonnen, wie z.B. der ehem. Bundesaußenminister Kinkel, DFB-Präsident Dr. Zwanziger und der ehem. Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Stoltenberg. Die Schülervertretung verfolgt nun das Ziel, die Stadt Bonn möge sich durch Beschluss des Rats als „Stadt ohne Rassismus“ erklären. Der Beschluss der Bezirksschülervertretung wurde dazu bereits erreicht; die jugendpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen werden derzeit in das Projekt eingebunden, das 2009 mit der Einweihung des „World Conference Center“ abgeschlossen werden soll. Mit der Beteiligung an historischen Teilprojekten, wie z.B. „Stolpersteine“ oder „Zwangsarbeiter“, hat unsere Schule zum Teil bundesweit für Aufsehen gesorgt. Neben der bereits erwähnten Gedenktafel (Q1) erwirkte die Schule, zur Erinnerung an die Erschießung von polnischen Zwangsarbeitern in ihrem Umfeld, das Aufstellen eines Gedenksteins. Unsere gemeinsame Arbeit mit der polnischen Partnerschule wurde zum Gegenstand eines herausgehobenen Projekts der Robert Bosch Stiftung. In jedem Jahr besucht eine Schülergruppe des 10. Jahrgangs das KZ Auschwitz. 2007 wurde die erste deutsch-bulgarische Schulpartnerschaft mit einer Schule in Dimitrovgrad geschlossen, für die der bulgarische Staatspräsident die Schirmherrschaft übernommen hat. Im Sommer 2008 untersucht eine Projektgruppe beider Schulen erstmalig die gemeinsame historische Verantwortung während des II. Weltkrieges im Rahmen eines von „Young-Europeans for Peace“ geförderten Projekts. Alljährlich übernehmen Projektgruppen die Mitgestaltung der zentralen Gedenkfeier in Bonn zum Volkstrauertag und des Schweigemarsches zur niedergebrannten Synagoge im Stadtbezirk. Regelmäßige, von der Schülerschaft durchgeführte, karitative Sammlungen dienen der Unterstützung von drei durchlaufenden Patenschaftsprojekten in der sog. „Dritten Welt“.
Alle Schülerinnen und Schüler lernen ab Klasse 5 durch Kompetenzerwerb im Bereich des selbstständigen und sozialen Lernens nicht nur, dass sie einen Teil der Verantwortung für das eigene Lernen selbst übernehmen, sondern dass sie sich auch in der Gemeinschaft engagieren müssen. Die in der Schule geltenden Regeln für die Umgangsformen und für die Verantwortung im Umweltbereich sind im Arbeitsprogramm „Gemeinsam Verantwortung tragen" festgelegt; es wird von Beginn an in die Erziehungsarbeit einbezogen, so dass im schulischen Alltag ein sehr hohes Niveau des Regelbewusstseins existiert. Jede Lerngruppe wählt „Energiebeauftragte“, die auf die Einhaltung der an jeder Klassentür angebrachten Regeln für das Energiesparen (Projekt „Fifty-Fifty“) achten und leistet so einen aktiven Beitrag zur Umwelterziehung wie auch die Schülerinnen und Schüler in Jg. 8, die für ein Schuljahr den „Toilettenservice Maritim“ übernehmen. Alle Schülerinnen und Schüler in Jg. 5 nehmen an einem 40stündigen Trainingsprogramm zur kooperativen Konfliktlösung teil und können daran anschließend selbst Verantwortung in verschiedenen Bereichen übernehmen: Ausbildung zum Schülerlotsen in Klasse 7 mit anschließendem Einsatz in Jahrgang 8 bis 11, Erste Hilfe-Ausbildung für alle Schüler (7) mit anschließender vertiefter Ausbildung für Mitarbeiter im Schulsanitätsdienst (8 bis 13); Ausbildung und Einsatz als Schüler-Streit-Schlichter (8), Übernahme von Patenschaften für Jüngere (8), Ausbildung und Einsatz als Sporthelfer, Erwerb des Segelscheins, Sportbootführerscheins oder des Flugscheins für Segelfliegen (8 bis 13), Mitarbeit in einer der Schülerfirmen (5 bis 13). Alle Schülerinnen und Schüler spenden einmal im Jahr einen „Soli-Euro“ für den in der Schule eingerichteten Gemeinschaftsfonds, aus dem Bedürftige unterstützt werden. Als Mitglied des Ortsrings, dem Zusammenschluss aller Vereine im Stadtteil, unterstützt unsere Schule ihre Partner und wirkt durch ihre Aktivitäten in das lokale Umfeld hinein. Schülergruppen übernehmen z.B. Verkehrserziehungsprojekte in Kindergärten und Grundschulen, beteiligen sich an Planung und Sicherung von stadtweiten Sport-Events und an Veranstaltungen zur Pflege des Brauchtums, führen Fitness-Training im benachbarten Altenheim durch und unterstützen die beiden Kirchengemeinden oder andere Gruppen, wie z.B. die Naturfreundejugend, bei deren Veranstaltungen in der Schule. Wie intensiv Initiativen aus der Schülerschaft sich entwickeln können, zeigen z.B. das Projekt „Neue Mensa“, das nach zweijähriger Entwicklungs- und Planungsarbeit 2004 umgesetzt wurde, die 2007 gestartete Kampagne „Stadt ohne Rassismus“ (s.o.) und die neue Initiative der Schülervertretung (SV) zur Verbesserung des Medien-Netzwerks. Die SV führt jährlich extern ein einwöchiges Seminar durch, lädt die Schülerschaft vor politischen Wahlen zu Veranstaltungen mit den jeweiligen Kandidaten ein und übernimmt besondere Verantwortung mit der Entsendung eines volljährigen Mitglieds in die Einstellungskommission.
Die Eltern organisieren rglm. stattfindende „Elternstammtische“ und arbeiten engagiert in allen Mitwirkungsgremien. Die 80köpfige Schulpflegschaft tagt jährlich mindestens achtmal gemeinsam mit Schulleitung und SV-Vertretung. Elternvertreter haben in Steuergruppe, Fachkonferenzen und Klassenkonferenzen Stimmrecht und beteiligen sich aktiv an der Außendarstellung der Schule, z.B. in der Stadtschulpflegschaft. Viele Eltern engagieren sich bei der Gestaltung der Mittagsfreizeit (Begleitung zum Mittagessen, Vorlesen, Basteln, Waffeln backen, Spielausleihe) und in AGs und Projekten. Über die „Elternkartei“ unterstützen weitere Eltern die Schule unter dem Motto „Irgendetwas kann jeder gut“ mit besonderen Kenntnissen, Fähigkeiten und Kontakten, z.B. durch Vermittlung von Plätzen für Praktika, Betriebsführungen oder Materialbeschaffung. Wir erzielen mit Elternunterstützung zusätzliche Einkünfte bei unseren „Antik- und Trödelmärkten“ und „Ski-Bazaren“, so dass wir z.B. einen Skikeller betreiben können. So ermöglichen wir allen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an der Winterfahrt in Klasse 8 und tragen durch Fremdausleihe zusätzlich zur Finanzierung dieser Fahrt bei.
Die Lehrkräfte nehmen über den für vier Jahre gewählten Lehrerrat im Rahmen eines mit der Schulleitung vereinbarten und wissenschaftlich begleiteten „Co-Managements“ unmittelbar an Entscheidungen teil. Der Lehrerrat verfügt über größere Mitwirkungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten als es das Landespersonalvertretungsgesetz vorsieht. Zur „Gender-Orientierung“ tragen die „Lehrerinnenkonferenz“ und der „Arbeitskreis Männer-/Jungenförderung“ bei.

Woran erkennen wir, ob wir die Ziele erreicht haben? Besucher der Schule, auch die Schulinspektoren, beschreiben die personalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler mit „zuvorkommenden Verhalten“, „Hilfs- und Gesprächsbereitschaft“, „Fähigkeit, in den Flurbereichen allein oder in Gruppen zu arbeiten“, „pfleglicher Umgang mit Gegenständen und dem Gebäude“, „Sorgsamkeit im Umgang mit den behinderten Schülerinnen und Schülern, die in den Schulalltag integriert werden“.

Wo suchen wir nach neuen Wegen? Die Schule muss mit dem Ende des Projektes „Selbstständige Schule“ Möglichkeiten finden, ihre Partizipationskultur fortzusetzen, da z.B. das neue Schulgesetz keine Drittelparität in der Schulkonferenz vorsieht.