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Weiter keine Sporthalle

BEUEL. Die Renovierungsarbeiten in der Dreifachturnhalle der Beueler Gesamtschule sollten eigentlich am 19. November beendet sein. Jetzt hat die Stadt den Termin jedoch zum fünften Mal verschoben auf den 2. Januar.

Von Jutta Specht und Holger Willcke, 10.11.2018

Geschockt hat Gesamtschulleiter Rainer Winand auf die Mitteilung der Stadt reagiert, dass die Sanierung der Dreifach-Turnhalle nicht fristgerecht abgeschlossen wird. „Das ist eine Katastrophe“, sagte er. Denn die Schule habe sich fest darauf verlassen, dass die große Turnhalle am 19. November „endlich“ wieder zur Verfügung stehe. Jetzt rudert das Städtische Gebäudemanagement (SGB) zurück. Die Eröffnung ist auf den 2. Januar verschoben. Betroffen sind auch zehn Vereine. Grund für die Verzögerung ist laut SGB, dass bei der letzten Ortsbegehung Mängel festgestellt wurden, die von den beauftragten Firmen noch beseitigt werden müssen. Angesichts des Sanierungsumfangs der 40 Jahre alten Halle hatte das SGB eine rund 14-monatige Schließung angekündigt. Die Heizungs- und Lüftungsanlage musste ausgetauscht, das Dach saniert und der Hallenboden erneuert werden.

Seit Mai 2017 stand den 1400 Schülern für Sportunterricht auf dem Gelände lediglich die kleine Halle, also ein Viertel der Hallenkapazitäten, zur Verfügung. Ausweichstätte war die Erwin-Kranz-Halle – eine logistische Herausforderung. Die jüngeren Klassen wurden mit dem städtischen Bus hingefahren, der allerdings nicht immer pünktlich gewesen sei, wie die Sportlehrer bemängeln. Abgesehen von dem Stress für alle und der verkürzten Unterrichtszeit.

„Das haben wir alles hinbekommen. Insgesamt fünf Mal wurde der Eröffnungstermin verschoben, aber der 19. November war fest versprochen“, sagt Winand. „Wir haben uns bis nach den Herbstferien mit Sportunterricht auf dem Außengelände beholfen. Das Wetter hat mitgespielt.“ Wie es nun bis Januar weitergehen soll, weiß Winand noch nicht. „Im Stundenplan ist die Dreifach-Turnhalle eingeplant.“ Allein 36 Klassen der Sekundarstufe 1 können keinen Sport machen, wenn nicht ein weiteres Mal Ausweichhallen gefunden werden. „Zum Glück unterstützt uns das Sport- und Bäderamt.“

Vize-Schulleiterin Birgit Walter hofft, dass sie bis Januar zumindest alle 360 Oberstufenschüler in der Erwin-Kranz-Halle unterbringen kann: „Für die Schüler der Sekundarstufe I müssen wir uns etwas einfallen lassen. Entweder treiben sie Sport im Klassenzimmer oder das Wetter lässt weiterhin Sport im Freien zu.“

Die Oberstufe muss für die Zulassung zum Abitur die vorgeschriebene Stundenzahl in Sport haben. Auch für sie ist die Terminverschiebung ein Aufreger. „Wir haben morgens um acht Uhr bei vier Grad draußen Ausdauertraining gemacht oder im Mantel Volleyball gespielt. So geht das nicht weiter“, sagte Oberstufenschüler Anton May. Der Vizeschülersprecher Florian Fischer ist ebenfalls stinksauer: „Wir machen gerne Sport, aber jetzt wird es eine Zumutung.“ Zumal Schüler mit einer Entschuldigung dennoch beim Sportunterricht anwesend sein müssen und frierend dabei stehen. Was Birgit Walter richtig ärgert: „Es hat viele Tage gegeben, an denen niemand in der Halle gearbeitet hat – so wie an diesem Freitag auch.“

Die Terminverschiebung bringt auch die Handballer der HSG Geislar/Oberkassel in die Bredouille. „Das darf doch nicht wahr sein“, wettert der Vorsitzende Andreas Kurenbach. „Wir wollten die Eröffnung beim Heimspieltag am 1. Dezember feiern. Einladungen und Plakate sind gedruckt, Glühweinbude und Imbisstand bestellt.“ Die Landesliga-Herrenmannschaft hat anderthalb Jahre in Königswinter trainiert. Für die anderen Mannschaften bot die Bundespolizei Trainingszeiten an. „Jetzt müssen wir wieder Hallen suchen.“ Kurenbach ist besorgt, dass Spieler angesichts der Situation den Spaß verlieren könnten. „Leistungsträger verlassen wegen der Trainingsbedingungen den Verein. Aber wir halten durch. Wir haben ja keine andere Wahl.“

Die Handballerinnen der TSV Bonn-rechtsrheinisch haben sich bis in die 3. Liga hochgekämpft. Die nächsten beiden Heimspiele sollten in der IGS-Dreifachhalle stattfinden. Die Spielverlegung kostet jeweils 100 Euro. Um das Geld geht es dem Vorsitzenden Achim Büsch nicht: „Für die Handballerinnen wären die Heimspiele ein Motivationsfaktor gewesen und wir hätten mehr Zuschauer gehabt.“ Der drittgrößte Verein in Bonn leide unter einem „echten Hallenproblem. Ich vermisse einen Ansprechpartner beim SGB. Einen, der sich zuverlässig kümmert, der uns auf dem Laufenden hält und unsere Wünsche in die Planungen einbezieht“, bedauert Büsch.